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Rede an die Hamburger GAL, die im Jahre 1993 ausziehen wollte, serbokroatisch zu lernen.
Kameradinnen und Kameraden,
Endlich habt Ihr es eingesehen! "Streitkultur" und Flügelkämpfe, Politikunfähigkeit und nicht den Hauch von Realitätssinn, strickende Männer und Frauen, die ihren Söhnen Puppen
in die noch unschuldigen Hände drückten - das waren Makel,
die über ein Jahrzehnt an Euch klebten!
Jeder anständige Deutsche musste Scham empfinden, sah er
doch, mit welch ekelerregender Vorsätzlichkeit Ihr deutsche
Sitte, Tradition und letztlich deutsche Heimat pervertiertet!
Doch nicht nur Ihr, auch wir, die wir uns Totalverweigerer
nannten, und dem Staat - und damit Euch - das Recht absprachen,
uns auf dem Felde der Ehre zu opfern, auch wir waren alles andere als
besser:
Jahrzehnte des Irrtums liegen hinter uns! Tiefe Konfrontationen
mit deutschen Richterinnen, Staatsanwältinnen, Knast, Flucht
und Exil haben uns nicht zur Einsicht kommen lassen. Selbst
das Wissen um 50.000 Todesurteile in den Zeiten, als Not das
Vaterland bedrängte, hat uns nicht vom Irrweg abgebracht.
Ideologien von Frieden und die linke Propagandalüge vom
US-Imperialismus haben uns verblendet und stachelten uns
zur blinden Wut gegen die Schützer der Menschenrechte auf.
Deutsche Panzer und Haubitzen - sogar an Sabotage dachten
wir zuweilen.
Undeutsche Agitatoren wie Ossietzky, Tucholsky und Böll,
Volksschädlinge wie Brecht, Petra Kelly und Gert Bastian
haben uns ihre Denunziationen ins Hirn gehämmert, wenn dieses
nicht schon durch die ewiggestrigen Plattitüden eines abgemagerten
Inders mit Hang zum Masochismus aufgeweicht war.
Doch dies kann und darf keine Entschuldigung sein! Wir müssen Abbitte leisten. Abbitte und aufrichtige
Wiedergutmachung!
Da es aber nicht nur um die Aufarbeitung unserer defätistischen
Vergangenheit gehen kann, haben wir uns dazu entschlossen,
einen wahrhaft kraftvollen Schritt in eine bessere Zukunft zu tun:
- Kamerad Heiko S.; von deutscher Justiz, die, wie wir erst heute erkennen, nur sein Bestes wollte, zu zehn
Monaten Knast verurteilt.
- Kamerad Christof V.; schon im damaligen Osten unseres geliebten Vaterlandes wollte er nicht zu den staatlichen
Waffen greifen, und auch im freien Westen entfloh er schmählich der Kaserne, die, nach dem großen
Nationalsozialisten Freiherr von Fritsch benannt, die deutsche
Erde schützt.
- Kamerad Paul .v. H.; 1,95m, blond und blauäugig: was sechs
Monate Knast nicht vermögen - jetzt folgt auch er dem neuen deutschen Ruf.
- Kamerad Nick N.; der dem Musterungsarzt die Zunge bleckte,
auch er lernt jetzt den Stahlhelm schätzen.
- Kamerad Christian H.; von einem staatsfeindlichen Richter
freigesprochen, wird er jetzt der erste sein, denn sein
H. steht für Heil!
- Kamerad Andreas W.; auch seine langen Haare sind ihm eine
Last - weg damit! - der deutsche Mann rasiert sich bis zum
Großhirn !
Denn es ist so, wie die große Patriotin Conny Jürgens es
beschwor: Gerade unsere historische Schuld, den letzten Krieg
so schmachbeladen verloren zu haben, gerade unsere historische
Schuld, die Völker des Ostens wieder auf die Stufe der Unmündigkeit zurückgestoßen zu haben, gerade unsere
historische Schuld ist es, die uns drängt, mit deutscher Härte auf dem
deutschen Balkan deutsche Scheitel zu ziehen.
Kameradinnen und Kameraden,
Ihr habt dazugelernt. "Waffen für El Salvador", das war sicher
eine gute Idee. Auch die Wasserleitungen für Nicaragua - ein
durchaus gutgemeinter Ansatz.
Aber seien wir doch einmal ehrlich. Was kommt dabei heraus?
Irgendwelche dahergelaufenen Campesinos, unrasiert und ohne
Hang zu höheren Werten, mit wirren Ideen von Antiimperialismus
und Revolution im Schädel, die für unser gutes Geld noch nicht
einmal deutsche Knarren kaufen! Und was ist das Ende vom Lied? Anstatt die Menschenrechte auf deutsch zu lernen, machen
die Jungs eine Landreform, bringen den Wilden im Urwald das Lesen bei und der Kaffee wird teurer!
Nein, nein, diese Panne passiert uns nicht nocheinmal! Deutsche Jungs werden es sein, zielbewust, glattrasiert und
jede Menge Zärtlichkeit!
Denn endlich habt Ihr auch eingesehen, dass Militär und Patriarchat nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun
haben! Vielleicht bei den Völkern des Balkans, das kann sein.
Aber nicht bei unseren Jungs. In deutschen Kasernen wird die
Frau geachtet! Im deutschen Heer herrscht Geldverkehr! Und daher werden wir auch erst mit deutschen Soldaten gegen das
Patriarchat die letzte Schlacht, die Mutter aller Schlachten schlagen!
Kameradinnen und Kameraden,
Wir hatten Spanien in den Dreißigern. Tausende von Familien
wurden auseinandergerissen, weil der Junge plötzlich links
geworden war und ohne feste Führung nach Madrid gefahren ist.
Jetzt habt Ihr erkannt: Ihr habt die Wehrpflicht und Ihr
nutzt sie! Ihr habt eine deutsche Armee, die in den besten
deutschen Traditionen steht, und Ihr nutzt sie!
Denn es hat doch keinen Wert, immer nur abseits der Strukturen
zu stehen und von einer "besseren Welt" zu träumen, nein, nein,
hinein in's volle Volksvergnügen; da ist kein Graben und da
ist kein Gegensatz!
Kamerad Martin Schmidt,
Erfinder des Fahrradhäuschens, ganz Eimsbüttel träumt von
Dir als Verkehrssenator, und fast waren wir von Dir enttäuscht,
als uns zu Zeiten der Stresemannstraße Dein sanftes:
"Jetzt lasst uns mal alle gemeinsam langsam von der Straße runtergehen"
deeskalieren sollte. Doch wir hatten uns in Dir getäuscht!
Nicht ohne gute Gründe hat die Schweizer Miliz das Fahrrad als
bestes Kampfross stationiert - auch auf den Höhen des Balkans wird uns Dein Idealismus Zeichen Deines
Politikverständnisses sein!
Kamerad Kurt Edler,
wie schreibst Du so ergreifend: "Frieden ist auch nur ein
zweischneidiges Schwert". Das ist der Punkt, auf den das Volk
so lange warten musste! Denn es kann nicht genug sein, nur einen Mercedes zu fahren, wir müssen auch dafür Sorge tragen, dass die Firma auf den anderen Absatzsparten nichts an Popularität
einbüßt! Und was Deine "ironischen Briefe an das
Kreiswehrersatzamt" anbetrifft, von denen Du uns dialektisch
wissen lässt - Kamerad Edler: verziehen!
Kamerad Peter Schwanewilms,
Du quälst Dich, schreibst Du, wenn Du die Schüler Deiner Abiturklasse vor Dir sitzen siehst, und Dir vorstellst, dass
sie schon morgen bei der Herstellung der Menschenrechte in
Bosnien sterben müssten. Das ist edel Kamerad, aber ich frage
Dich: wozu machen sie denn Abitur, wozu haben sie Dich zum Lehrer, wenn nicht dazu, Deutschland
vor dem Anschein der Feigheit in der Welt zu bewahren? Oder hast Du sie etwa zu langhaarigen Bolschewisten, Landesverrätern
und linkem Gesockse erzogen? Nein, das hast Du nicht, und wir sind stolz darauf, dass es Pädagogen wie Dich gab, gibt und
weiter geben wird!
Kameradin Conny Jürgens,
wir kneifen nicht!
Kamerad Jo Müller,
zieh' mit uns und Hemingway wird zur
Provinzposse verblassen!
Kameradinnen Sabine Boehlich, Krista Sager und Kameradin
Renate Domnick, Kameraden Michael Rittendorf und Peter Zamory,
euch gilt unser Schwur:
Deutsche Desertöre Schulter an Schulter
mit deutschen Gallierinnen, zum deutschen Krieg, zum deutschen,
SIEG!
Januar 1993
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